Archive for the ‘ Internet Business ’ Category

Netzausbau:

Montag, April 18th, 2016

Ericsson baut Mobilfunknetze in aller Welt. Damit arbeitet der Konzern mit am Fundament für die digitale Transformation, die Wirtschaft und Gesellschaft revolutioniert. 10 bis 15 Jahre werde es noch dauern, so Konzernchef Hans Vestberg, bis der Übergang in die Netzgesellschaft abgeschlossen ist.

Die Welt: Herr Vestberg, Apple wehrt sich gerade im Grundsatz gegen den staatlichen Zugriff auf die Nutzerdaten. Steht Ericsson hier an Apples Seite?

Hans Vestberg: Wenn alles miteinander verbunden wird, haben wir drei Herausforderungen: Datensicherheit, Datenschutz und Datenzuverlässigkeit. Wir müssen sichergehen, dass jeder über seine Daten bestimmen kann. Das ist bisher nicht so. Niemand sollte ohne Erlaubnis an die Daten gelangen.

Die Welt: Das klingt nach einem Bekenntnis für Apple.

Vestberg: Ich kenne in diesem Fall nur die öffentlichen Informationen und bin vorsichtig in der Einschätzung. Grundsätzlich gilt aber, dass diese Herausforderungen kein Unternehmen und keine Regierung allein lösen kann. Nicht mal Apple. Es muss einen Dialog zwischen allen Betroffenen geben. Das ist unser Ansatz. Wir sind in 180 Ländern vertreten und damit womöglich der globalste Konzern überhaupt. Wir müssen diese Dinge mit den Regierungen und mit unseren Kunden diskutieren, um hier weiterzukommen.

Die Welt: Und um am Ende Hintertüren in die Produkte einzubauen?

Vestberg: Hintertüren sind eine schlechte Idee. Aber wir brauchen in irgendeiner Weise Regeln, mit denen man sich auch gegen Kriminelle wehren kann, die es immer geben wird. Das kann aber kein Unternehmen allein lösen.

Die Welt: Die Transformation in die digitale Welt geschieht schneller, als wir es bei der Industrialisierung gesehen haben. Können wir uns in dieser Geschwindigkeit anpassen?

Vestberg: Verbraucher schaffen das schnell, das sehen wir schon. Industrien tun sich schwerer, weil sie ihr Erbe mitschleppen. Regierungen und Gesellschaften werden möglicherweise die letzten sein. Für den Übergang in die Netzgesellschaft werden wir zehn bis 15 Jahre brauchen. Ich glaube, dass sich heute noch niemand wirklich vorstellen kann, wie viel sich in dieser Zeit durch die Digitalisierung ändern wird. Wir werden viele neue Unternehmen sehen.

Die Welt: Viele Unternehmen und Jobs werden dabei auf der Strecke bleiben.

Vestberg: Es stimmt, wir werden große Effizienzgewinne sehen in dieser Transformation. Aber alle Studien zeigen, dass wir am Ende mehr Jobs aufbauen, als wir verlieren. Die Frage ist nur, wie lang man sich mit der Transformation Zeit lässt. Je länger man wartet, desto größer wird der Wandel und damit auch der Einschnitt sein, bis diese neuen Jobs entstehen. Wir haben bereits mehrere dieser Revolutionen erlebt, und alle haben zu diesem Ergebnis geführt. Man kann das mit Gesetzen beschleunigen oder verlangsamen, aber die technologische Revolution und die Netzwerk-Gesellschaft wird das nicht aufhalten.

Die Welt: Veränderungen sind schon jetzt absehbar. Google und Facebook experimentieren mit Drohnen und Ballons, um Internet in entlegene Regionen zu bringen. Verschläft Ericsson als Netzausrüster dort eine Entwicklung?

Vestberg: Wir haben das auch getestet. Aber Drohnen und Ballons sind nicht Bestandteil unseres Geschäftes. Das Hauptproblem liegt woanders. In fünf Jahren wird es 1,7 Milliarden Menschen geben, die keinen Internet-Anschluss nutzen. Aber nur 300 Millionen davon sind außerhalb der Reichweite eines Netzes. Das heißt, dass 1,4 Milliarden Menschen eine Verbindung in irgendeiner Form haben könnten, sie aber nicht nutzen.

Die Welt: Warum?

Vestberg: Das hat mehrere Gründe. Analphabetismus gehört dazu. Einigen wird schlichtweg der Strom fehlen. Viele werden sich ein Endgerät nicht leisten können. Wir wissen aus Studien, dass 100 Millionen Menschen mehr sich ein Smartphone kaufen, wenn der Kaufpreis um zehn Dollar zurückgeht. An diesen Problemen müssen wir arbeiten. Die Regierungen müssen verstehen, dass sie das Leben dieser 1,4 Milliarden Menschen verbessern können, wenn sie diese Technologien auch nutzen können.

Die Welt: Facebook hat versucht, kostenloses Internet über Mobilfunknetze in Indien anzubieten. Aus Gründen der Netzneutralität hat der Regulierer es unterbunden.

Vestberg: Es kommt darauf an, wie man es macht. Wenn Regierungen beispielsweise Angebote für Fort- und Ausbildung kostenlos über das Mobilfunknetz anbieten, sollte das in Ordnung sein.

Die Welt: Facebook hat ein kostenloses Angebot gemacht.

Vestberg: Mit einer begrenzten Auswahl an Anwendungen. Das war ihre Entscheidung, dazu möchte ich mich nicht weiter äußern.

Die Welt: Werden Unternehmen wie Google und Facebook zu Netzbetreibern?

Vestberg: Google macht in den USA schon entsprechende Angebote. Die Grenzen werden künftig in vielen Fällen immer weniger deutlich sein.

Die Welt: Ein Problem für Ericsson?

Vestberg: Nein, denn auch diese Unternehmen sind unsere Kunden. Auf absehbare Zukunft machen wir unser Geschäft natürlich in der Hauptsache mit den klassischen Netzbetreibern. Aber wir werden auch mit neuen Anbietern zusammenarbeiten, wie wir es schon jetzt teilweise machen. 2020 wollen wir bis zu einem Viertel unseres Umsatzes mit Anbietern machen, die nicht klassische Netzbetreiber sind.

Die Welt: Vorerst geht es um immer schnellere Netze. Brauchen wir das eigentlich? Mein Smartphone ist heute schon schneller, als ich lesen kann.

Vestberg: Bislang hat der private Nutzer unseren Takt angegeben. Wir kommen von den Handy-Gesprächen über das mobile Internet bis hin zum noch schnelleren mobilen Breitband-Internet, wie wir es nun mit der vierten Generation des Mobilfunks, mit LTE, sehen. Jetzt stehen wir an einem Wendepunkt, wo es nicht mehr nur um den privaten Nutzer geht. Es geht nicht mehr nur um Geschwindigkeit.

Die Welt: Worum geht es dann?

Vestberg: Es geht jetzt um die vollständige Vernetzung. In Deutschland ist von Industrie 4.0 die Rede, also Vernetzung innerhalb der Produktion. Aber das geht natürlich noch viel weiter. Die fünfte Generation des Mobilfunks ist für ganz andere Einsatzszenarien ausgelegt.

Die Welt: Was haben wir davon?

Vestberg: Zu den frühen 5G-Anwendungen gehören Dinge wie ultrahochauflösendes Fernsehen über Mobilfunk, also die vierfache HD-Auflösung. Hier geht es um Geschwindigkeit. Oder das taktile Internet, bei dem Sie beispielsweise Drohnen mit Sensoren ausstatten können, sodass Sie auch ohne Sichtverbindungen fühlen können, wenn sich die Drohne einem Hindernis nähert. 5G ermöglicht außerdem selbstfahrende Autos, die sich gegenseitig warnen. Bei diesen Anwendungen sind kurze Reaktionszeiten im Netz wichtig. In vielen Fällen, wir reden dann vom Internet der Dinge, geht es aber vor allem auch um den geringen Stromverbrauch, sodass Sensoren mehrere Jahre Informationen übertragen können, ohne dass ihre Batterie ausgetauscht werden muss.

Die Welt: Jeder will jetzt der Erste sein: Südkorea hat die fünfte Generation des Mobilfunks für die Olympischen Spiele 2018 angekündigt, Europa will 2020 so weit sein, Netzbetreiber in den USA starten schon in diesem Jahr ihre Tests. Wer wird das Rennen gewinnen?

Vestberg: Am Ende ist es eine Sache der Standardisierung. Kommerziell kann man nicht vor 2020 anfangen, weil dann erst die Standards weltweit feststehen. Südkorea war schon bei 4G früh dran.

Die Welt: Und Europa?

Vestberg: Wir arbeiten in Europa schon länger an 5G. Die Netzbetreiber zeigen großes Interesse. Aber wenn wir uns 4G ansehen, hatten Ende vergangenen Jahres erst 35 Prozent der Nutzer einen 4G-Anschluss. 60 Prozent der Menschen könnten 4G schon nutzen. In Südkorea nutzen es schon mehr als 80 Prozent.

Die Welt: Warum geht das so langsam?

Vestberg: In den vergangenen acht Jahren haben die USA doppelt so viel Geld in ihre Netze investiert wie Europa. Natürlich würde ich Europa auch gern weiter vorn sehen. Ericsson gibt 60 Prozent seiner Forschungsausgaben – 2,4 Milliarden Euro im Jahr – auf diesem Kontinent aus.

Die Welt: Sollte Europa mehr investieren?

Vestberg: Europa sollte mobiles Breitband und Cloud Computing mit als die wichtigsten Treiber von Wirtschaftswachstum verstehen und hier weiter führend mitspielen, so wie es in der Vergangenheit schon einmal war. Digitalisierung ist wichtig, um neue Jobs, Produkte und Unternehmen entstehen zu lassen.

Die Welt: Die EU arbeitet am gemeinsamen digitalen Binnenmarkt.

Vestberg: Das ist auch sehr wichtig, denn Protektionismus passt nicht zur Natur von Daten, die nicht an Landesgrenzen halt machen. Natürlich muss es Regeln geben für Cybersicherheit, Datenschutz und Urheberrecht. Aber die meisten Staaten haben erkannt, wie wichtig das ist. Inzwischen gibt es Pläne zum Breitbandausbau in fast 140 Ländern weltweit. Die fortschreitende Digitalisierung ist dann der nächste Schritt, über den in vielen Ländern nachgedacht wird.

Die Welt: Muss man denn immer der Erste sein?

Vestberg: Nein, aber man sollte dabei sein, wenn es den größten Nutzen bringt. Das muss nicht immer am Anfang einer Technologie sein. Aber wenn man zu spät ist, besteht die Gefahr, dass die Umwälzungen sehr groß werden.

Erstmalig veröffentlicht auf:

http://www.welt.de/wirtschaft/

Browser – Firefox 42 bringt Tracking-Schutz und Audiosteuerung für Tabs

Freitag, November 20th, 2015

Der Internet-Browser Firefox ist in Version 42 erschienen. Das Surftool, hinter dem die Mozilla Foundation steht, bringt einige Änderungen und neue Features mit. Die zentralsten Neuerungen sind ein neuer Schutz vor Tracking sowie einfache Audiokontrollen für Tabs.

Der neue Trackingschutz wurde in den privaten Surfmodus integriert. Dieser vergisst nach dem Schließen des Fensters nicht nur den Surfverlauf, sondern blockiert nun auch Elemente, die den Nutzer im Netz „verfolgen“. Solche verbergen sich gerne in Werbung, Analysetools für Seitenaufrufe oder „Teilen“-Buttons für soziale Apps und Netzwerke.

Venturebeat vergleicht die Funktion mit Browser-Erweiterungen wie Ghostery oder Privacy Badger. Verzichtet Werbung auf Tracking-Elemente, wird sie auch angezeigt. Über die Startseite des privaten Surfmodus lässt sich der Blocker auf Wunsch auch deaktivieren. Dazu gibt es nun ein Kontrollzentrum für Sicherheits- und Privatsphäreoptionen.

Firefox 42 zeigt nun auch erstmals an, wenn eine Website für Musik- oder Soundwiedergabe sorgt. In diesem Fall erscheint neben ihrem Namen im jeweiligen Tab ein kleiner Lautsprecher. Dieser kann angeklickt werden, um die Wiedergabe stummzuschalten oder wieder zu aktivieren. Damit zieht Firefox zu Google Chrome gleich, der schon seit geraumer Zeit über Audio-Indikatoren verfügt.

Ein interessantes Feature erhält außerdem die Android-Version von Firefox 42. Dort kann der Browser nun Links in Apps im Hintergrund öffnen, ohne das jeweilige Programm verlassen zu müssen. Die gesammelten Links werden beim nächsten direkten Aufruf des Browsers geladen.

Firefox 42 wird für bestehende Nutzer über die Update-Funktion verteilt und kann auch über die Mozilla-Homepage für Windows, OS X und Linux sowie im Play Store für Android heruntergeladen werden.

 

Adresse der Quelle:

http://derstandard.at/2000025062688/Firefox-42-bringt-Tracking-Schutz-und-Audiosteuerung-fuer-Tabs

Google gründet neuen Mutterkonzern Alphabet, bekommt neuen Chef

Samstag, September 26th, 2015

Der Internetgigant Google hat einen breit angelegten Umbau seiner Unternehmensstruktur bekanntgegeben – in dessen Rahmen Google mit Sundar Pichai den CEO-Posten bei Google selbst übernimmt, während der Internetkonzern unter eine neue Muttergesellschaft gestellt wird, die den Firmennamen „Alphabet“ trägt.Alphabet selbst wird künftig eine Reihe von Unternehmen unter seinem Dach vereinen, die bisher teilweise eigentlich Dienste von Google sind, aber auch eigenständige Ausgründungen. So sollen einerseits die Internet-bezogenen Angebote von Google der neuen Firma untergeordnet werden, andererseits aber auch die anderen zu Google gehörenden Firmen, deren Geschäftsfelder Bereiche wie Gesundheitsprodukte oder Biotechnologie abdecken.

Google-Mitgründer Larry Page wird künftig der CEO von Alphabet sein, während der andere Google-Miterfinder Sergey Brin die Rolle des Vorstandsvorsitzenden übernimmt. Sundar Pichai, der bisher vor allem durch das mobile Betriebssystem Android bekannt wurde, wird hingegen neuer Chef von Google Inc., dem größten Umsatzbringer unter den Fittichen von Alphabet.

Zu dem neuen Unternehmensimperium gehören auch Firmen wie die Biotechnologie-Spezialisten von Calico, der Investment-Arm Google Ventures, Google Capital, die Forschungsabteilung Google X und diverse andere Abteilungen. Es geht wohl vor allem darum, das Hauptgeschäft von Google stärker von den anderen Aktivitäten des Unternehmens zu trennen, um sie besser verwalten zu können und flexibler zu werden.

Page und Brin übernehmen nun eher strategische Rollen, während der Alltagsbetrieb in die Hände ihrer vertrauenswürdigen Manager abgegeben wird. Der Name Alphabet steht dabei für die Zusammenfassung der diversen Unternehmensteile – so soll Google zum Beispiel das „G“ im neuen Firmenkatalog von Alphabet darstellen. Wie so oft wählen die Google-Gründer ein kurioses Konzept für das Branding des neuen Konzerns, unter dem Google jetzt steht. So lautet die Web-Adresse der Firmen-Homepage abc.xyz.

 

URL der Quelle:

winfuture.de/news

Leistungsschutzrecht: Spanier wollen Google zurück

Sonntag, Dezember 21st, 2014

Die Lobby-Gruppe AEDE, die hinter der Abschaltung der Google News in Spanien steht, möchte nun doch den Nachrichten-Service am Leben erhalten. Google sei zu wichtig für die lokalen Unternehmen und die spanische Bevölkerung, als dass er abgeschaltet werden dürfe. Die spanische Regierung soll nun dafür sorgen, dass die Google-News wieder online gehen. Eine Sprecherin der AEDE sagte, dass Google weder für Verhandlungen noch eine neutrale Position offen gewesen sei. So berichtet The Spain Report.

In Spanien ist vor kurzem passiert, was in Deutschland bisher nicht möglich war: Google wird sein News-Angebot nächste Woche abschalten. Grund ist ein neues spanisches Gesetz, das News-Aggregatoren verpflichtet, selbst für kleinste Textschnipsel Dritter eine Lizenz-Abgabe an diese zu zahlen. Google wird seinen News-Dienst ab Dienstag, den 16. Dezember in Spanien nicht mehr anbieten. Damit wird der Dienst bereits zwei Wochen bevor das spanische Gesetz zum 1. Januar 2015 in Kraft tritt abgeschaltet.


Google selbst bedauert diesen Schritt nach eigenen Angaben, sieht aber keine ökonomisch sinnvolle Möglichkeit, den Dienst unter diesen Bedingungen weiterzubetreiben. Man verdiene mit Google News kein Geld – wenn der Suchanbieter jetzt Geld für die Headlines und Artikelanrisse ausgeben müsste, würde man Verlust machen, erklärt Google.

Das Problem: Anders als in Deutschland sieht das spanische Leistungsschutzrecht keinen freiwilligen Verzicht der Verlage auf die Einnahmen vor. Hierzulande hatte Google Anbieter, die Geld für die Headlines und Artikelanrisse verlangten, aus seinem News-Angebot geworfen. Diese verzeichneten darauf teils große Reichweitenverluste. Als Reaktion hatten alle großen Verlage auf die Einnahmen verzichtet und Google gebeten, sie wieder in den Index aufzunehmen. In Spanien ist zudem die Länge des geschützten Materials nicht festgelegt – damit hätten die Verlage sogar für einzelne Wörter Geld von Google kassieren müssen.

Original-Artikel:

Der Online-Ruf: So schützen Sie sich vor Mobbing im Internet

Donnerstag, November 27th, 2014

Jeder kennt sie, und ihr Bild ging mit Begriffen wie „Monica-Gate“ um die Welt: Monica Lewinsky erlangte traurige Berühmtheit als die Praktikantin im Weißen Haus, die es mit dem US-Präsidenten trieb.

Als die Affäre nach knapp zwei Jahren aufflog, herrschte im Internet eine klare Meinung über sie: Monica Lewinsky war in den Augen der meisten „das Flittchen“, das beinahe den mächtigsten Mann der Welt zu Fall gebracht hatte.

Heute, 16 Jahre später, spricht die berühmteste Praktikantin der Welt darüber, wie es sich anfühlte, das „erste Opfer von Cybermobbing“ gewesen zu sein. Sie erzählt, wie ohnmächtig sie jahrelang war, und spricht über Selbstmordgedanken.

Ob Lewinsky wirklich das erste Cybermobbing-Opfer war, kann bezweifelt werden. Doch dass üble Nachrede, Verleumdung und Lügen in Foren, Chatrooms, E-Mails, sozialen Netzwerken und anderen Onlinediensten immer mehr Menschen das Leben zur Hölle machen, ist leider ein trauriger Fakt.

Mobbing ist psychische Gewalt

Mobbing ist schwer greifbar. Es gibt nicht mal eine allgemeingültige Definition. Mobbingopfer im Arbeitsumfeld sind ständig negativen Bemerkungen oder Kritik ausgesetzt und bald sozial isoliert.

 

Doch Mobbing findet längst nicht nur als Getuschel auf dem Büroflur statt: Gelästert wird per Skype, über E-Mails und in sozialen Netzwerken. Aber nicht nur im Job, auch unter Nachbarn und Bekannten nimmt Cybermobbing stetig zu.

Onlineplattformen wie „Rottenneighbor“ und „iShareGossip“ versuchten, aus Online-Attacken gegen Mitmenschen sogar Geld zu schlagen. Beide gehören zum Glück der Vergangenheit an, doch in der digitalen Welt finden Cybermobber genug andere Möglichkeiten: Besonders Kinder und Jugendliche, für die heute Smartphones und soziale Netzwerke selbstverständlich sind, werden oft Opfer einiger Mitschüler.

Wie viele Opfer unter dieser Art psychischer Gewalt leiden, lässt sich nur schwer beziffern, denn viele schweigen gegenüber Eltern und Lehrern – oft aus Scham.

Sie haben einen Ruf zu verlieren!

Gerade im Internet ist es schwierig, Angriffen gegen die eigene Person zu begegnen, denn die Täter bleiben oft anonym. Die beste Möglichkeit, Cybermobbing effektiv zu vermeiden, ist Datensparsamkeit. „Nutzer sollten ihre Netznaivität ablegen. Den digitalen Radiergummi gibt es nicht!“, sagt Catarina Katzer.

Gemeinsam mit der renommierten Forscherin hat die Redaktion zehn Tipps gegen Cybermobbing erarbeitet. Wie verhindern Sie Cybermobbing? Und was können Sie tun, wenn Sie in die Schusslinie geraten sind? Der folgende Zehn-Punkte-Plan hilft Ihnen effektiv, Anfeindungen im Internet zu vermeiden und notfalls überlegt zu reagieren.

1. Angriffsfläche verringern

Vermeiden Sie online jede unnötige Äußerung, die später gegen Sie verwendet werden kann. Dazu gehören intime Bekenntnisse ebenso wie wütende Äußerungen über Chefs und Kollegen. Egal ob in sozialen Netzwerken, Foren, per Messenger oder App: Was einmal hier landet, kann Ihnen jederzeit zum Verhängnis werden.

2. Trau! Schau! Wem?

Überlegen Sie ganz genau, wem Sie etwas anvertrauen! Gerade in sozialen Netzwerken sollten Sie beachten, dass in den Grundeinstellungen meist nicht nur Freunde Ihre Kommentare zu bestimmten Themen lesen können, sondern auch Dritte, die mit Ihren Freunden in diesem Netzwerk verknüpft sind.

3. Vorsicht mit Bildern

Überlegen Sie genau, wem Sie Bilder von sich schicken. Vermeintlich sichere Dienste und Apps weisen oft Sicherheitslecks auf. Dann landen Ihre Bilder im Netz.

4. Suchen Sie sich selbst

Googeln Sie sich selbst regelmäßig, und nutzen Sie Personensuchmaschinen wie Yasni und 123people. So erfahren Sie, was über Sie im Netz zu finden ist.

5. Gesichtskontrolle

Stehen Bilder von Ihnen im Netz, von denen Sie nichts wissen? Das zeigt Ihnen Googles Bildersuche. Ziehen Sie dazu ein Bild von sich selbst in das Suchfenster, dann zeigt Google ähnliche Bilder im Netz an.

6. Netzwerke prüfen

Nutzen Sie Personensuchen sozialer Netzwerke. Suchen Sie nach Ihrem eigenen Namen. So erfahren Sie, ob von anderen erstellte Fake-Profile existieren.

7. Nicht antworten!

Auch wenn es Ihnen unerträglich erscheint: Sollten Sie Opfer eines Cybermobbers geworden sein, antworten Sie nicht! Denn dann reagieren Sie genau so, wie der Täter es sich in der Regel wünscht. Drohen Sie nicht, und beleidigen Sie nicht zurück. Sonst werden Sie ganz schnell selbst zum Täter.

8. Beweise sichern

Wurden Beleidigungen, falsche Behauptungen oder unerwünschte Bilder und Filme von Ihnen ins Netz gestellt, sollten Sie das Material zur Beweisführung sichern. Erstellen Sie Bildschirmfotos mit Internetadresse und zeitlichen Angaben. Dabei helfen Ihnen auch Online-Angebote wie Netz-gegen-Mobbing.de.

9. Blockieren und löschen

Um Cybermobber abzuwehren, können Sie die Blockierfunktionen von Facebook, MSN, Skype & Co nutzen. Nach der Beweissicherung sollten Sie Mobber-Kommentare, -Bilder und -Videos löschen. Sie können etwa bei Google, Facebook oder über Forget Me entsprechende Löschanträge stellen.

10. Hilfe finden

Kinder und Jugendliche, die Opfer von Cybermobbing werden, können sich unter 0800-1110333 (Nummer gegen Kummer) kostenlos beraten lassen. Eltern, die sich beraten lassen wollen, wählen 0800-1110555. Erwachsene Mobbingopfer finden unter Polizei-Beratung.de entsprechende Hilfsangebote.

Quelle: Computer Bild. Mehr zum Thema finden Sie in der Computer Bild, Ausgabe 24/2014.

 

Originalbeitrag lesen:

http://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article134367714/So-schuetzen-Sie-sich-vor-Mobbing-im-Internet.html